Hannibals Herz

Als Hannibal die Wohnung betritt, liegt ein mundwässernder Duft nach Rotwein, Zwiebeln und Wildbraten in der schweren, warmen Luft.
Was er wenige Momente später im Esszimmer entdeckt, verschlägt ihm jedoch den Atem. In der Mitte des kerzenbeschienenen Esstisches, zwischen kunstvoll drapierten Bratenscheiben, einer Schale mit Petersilienkartoffeln und Rotweinschalotten, glänzt ein metallener Teller, auf dem ein rohes menschliches Herz liegt. Weiterlesen „Hannibals Herz“

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Das Märchen von Kasimir dem Pantomimen

Neulich flatterte ein Erinnerungsschreiben des Finanzamts in meinen Kasten. Ich solle doch bitte noch meine Steuererklärung nachreichen, so die Aufforderung. Anstatt die Erklärung zu machen, schrieb ich diesen Text.

Zufrieden besah Kasimir sein weiß getünchtes Gesicht, die schwarzen Augenbrauen und die blutroten Lippen.
Er legte die schwarzen Hosenträger über seine schmalen Schultern, rundete das Bild mit einer schief auf den Kopf gesetzten Baskenmütze ab und verließ fröhlich pfeifend die Wohnung. Weiterlesen „Das Märchen von Kasimir dem Pantomimen“

Der Freundschaftsdienst

Dieser Text ist im Rahmen meines Projekts post.skrip.tum entstanden. Für diese Textserie wühle ich mich durch alte Postkarten auf Flohmärkten, wähle mir anhand rein subjektiver Kriterien eine Karte aus und bette sie in eine frei erfundene Geschichte ein. post.skrip.tum – dahinter geschrieben, so die wörtliche Übersetzung. Dahinter im zeitlichen Sinne. Weiterlesen „Der Freundschaftsdienst“

Maronenmann und Glühweingirl

Der 27. Dezember mag für die meisten Menschen ein ganz normaler Nachweihnachtstag gewesen sein. Wahrscheinlich waren die meisten Leute vom Weihnachtsfest noch kugelrund gefuttert, vom Glühwein verkatert oder aber auch von der geballten Ladung Familie genervt. Vielleicht sehnten sie das neue Jahr, eine wärmere Jahreszeit oder die große Silvesterparty herbei.
Für Emma war der 27. Dezember jedenfalls kein gewöhnlicher Tag zwischen den Feiertagen. Weiterlesen „Maronenmann und Glühweingirl“

Ein Märchen

Auf der Spitze eines hohen Berges lebte einst ein Junge. Den Berg hatte er sich als Zuhause gewählt, weil er von hier den besten Ausblick über die sattgrüne Landschaft genießen konnte. Die meiste Zeit war der Junge allein auf seinem Berg, denn das Dorf, in dem seine Freunde und Familie lebten, lag weit unten im Tal und der Weg hier hinauf war lang und beschwerlich und dauerte mehrere Tage. Weiterlesen „Ein Märchen“

Für ein Kind namens Philipp, das ohne Bärchenwurst erwachsen werden musste

Ein Erfahrungsbericht über tiefgreifende Traumata, die westdeutschen Dorfgören vorbehalten sind.

Eigentlich war ich ein nahezu rundum glückliches Kind. Obwohl ich ständig gebettelt habe, ich hätte gerne einen großen Bruder, bin ich leider bis heute ein Einzelkind geblieben. „Du bist uns mehr als genug!“, sagten meine Eltern mir stets abwehrend, wenn ich sie mal wieder anflehte, in die Nachwuchsproduktion zu gehen. Ein Kompliment – zweifelsohne. Weiterlesen „Für ein Kind namens Philipp, das ohne Bärchenwurst erwachsen werden musste“