Hannibals Herz

Als Hannibal die Wohnung betritt, liegt ein mundwässernder Duft nach Rotwein, Zwiebeln und Wildbraten in der schweren, warmen Luft.
Was er wenige Momente später im Esszimmer entdeckt, verschlägt ihm jedoch den Atem. In der Mitte des kerzenbeschienenen Esstisches, zwischen kunstvoll drapierten Bratenscheiben, einer Schale mit Petersilienkartoffeln und Rotweinschalotten, glänzt ein metallener Teller, auf dem ein rohes menschliches Herz liegt. Weiterlesen „Hannibals Herz“

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Von einem, der auszog das Fliegen zu verlernen.

Ein ganz und gar wahres Märchen. Erschienen in der Anthologie Poetische Ornithologie. Vom Flugwesen in der Literatur.

„The kakapo is a bird out of time. If you look one in its large, round, greeny-brown face, it has a look of serenely innocent incomprehension that makes you want to hug it and tell it that everything will be alright, though you know that it probably will not be.“ (Adams 2009: 109)

So beschreibt der britische Science-Fiction-Autor Douglas Adams den Kakapo in seinem Bericht über seine Reise zu aussterbenden Tierarten im Jahre 1985. Weiterlesen „Von einem, der auszog das Fliegen zu verlernen.“

Lost in Translation

Ich suche derzeit für mein Auslandssemester, das schon ganz bald losgeht (huiuiuiui) eine Unterkunft in der westfinnischen Küstenstadt Turku.

Da der finnische Wohnungs-, Zimmer- und Sonstigeunterkunfts-Markt der Vorhölle gleicht, treibe ich mich viel in finnischen Mitbewohnersuchgruppen auf Facebook herum.
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Aus dem Leben einer Social Media-Fee

Meine Social Media-Feen-Weisheit: Stelle niemals in einem Post eine Frage! Niemals! Kommentare erscheinen schließlich stets ungebeten und unüberlegt.

Zuweilen arbeite ich für Firmen als Social Media-Fee. Das klingt nach Spaß, Frohlocken und Konfettipolonäse. Vor allem, weil ich an meine Berufsbezeichnungen gerne selbst ein „-Fee“ anhänge. Das suggeriert einträchtige Harmonie im Arbeitsumfeld und wirkt irgendwie so, als würde mir alles total locker von der Hand gehen. Tut es ja schließlich auch. Immer.

Social Media Management scheint etwas zu sein, was gerade alle beruflich machen wollen. Jobsuchen-Newsletter werden geteilt wie sonst nur Katzenfotos und auch die Weiterbildungseinrichtungen für Social Media-Consultants, -Manager, -Redakteure, -Irgendwasse sprießen aus dem digitalen Boden wie Schimmel – Social Media Management, der Heilige Gral, das endlich real gewordene „Irgendwas mit Medien“.

Ein Job, der mit dem Versprechen winkt, den ganzen Tag durch den digitalen Dschungel schlendern zu können, wie man das ja vom Prokrastinieren und Rumeumeln eh schon kennt. Vielleicht darf man ja sogar in Jogginghose ins Büro kommen, ungewaschen und mit Restsalsa vom vorabendlichen Nachoinferno im zerzausten Haar. Vielleicht ist das dann so ein total hippes Büro wie bei Google. Mit Rutsche, Barista und Snoozelraum. Kleiner Spoiler: nee.

Zumeist is es jedoch in der Tat ein Job, der ziemlich viel Spaß machen kann. Man darf sich austoben und kunterbunt Worte aneinander reihen, hat die Buntstifte ganz für sich allein und kann auch ruhig mal mit Knete werfen und all diese mehr oder weniger kunstvollen Auswüchse werden sogar zur Kenntnis genommen. Ein jeder Klassenclown findet endlich die wohlverdiente Bühne. Hauptsache, er serviert dem Mob mundgerechte Häppchen und wirft ihm regelmäßig Popcorn ins Gesicht.

Man kann wirklich alles. Also fast. Alles, was im Sinne des Unternehmens ist. Meistens ist es im Sinne des Unternehmens, zu dieser und jener Debatte sicherheitshalber eher keine Meinung zu haben.
Der Kunde ist schließlich König. Und Kunde soll ja jeder sein. Auch der homophobe Faschist, der seine Kinder regelmäßig versohlt, darf daher nicht verprellt werden.
Aus dem eigentlichen Geschehen im Web hält man sich also eher geduckt raus. Aus Angst, mal nach der Meinung gefragt zu werden.

Den wütenden Mob, der sich ja permanent über etwas echauffiert, zu besänftigen, ist allerdings auch ein super Job. Das funktioniert ganz besonders gut mit .gifs und Tiercontent jeder Art, insbesondere Katzen und Faultiere bringen selbst den wütesten Wutbürger kurz zum Schmunzeln und dienen als aufmunternde Streicheleinheit in der hässlichen Welt unqualifizierter Meinungsbekundung, Bewertung und Herabsetzung.

Über Tiere darf man gerne regelmäßig und ausgelassen lachen, die werden bestimmt niemals Kunden sein. Oder etwa doch? Frau T., bitte keine lächerlichen Tierinhalte mehr. Pflanzen und Steine gehen noch! Noch..

Es ist ein wunderbarer Job, in dem man ganz herrlich frei ist, all das zu tun, was das kreative Potenzial hergibt. Solange es gehaltlose Zuckerwatte ist. Denn hier isst eigentlich nur das Auge und freut sich über jeden Blödsinn, der keinen Anspruch darauf erhebt, bis ins Hirn durchdringen zu wollen.

Tamagotchi-Pflanzen statt Digital Detox

Digital Detox ist derzeit eines der beliebtesten Schlagwörter, wenn es um die digitale Welt, ihr Spinnennetz der permanenten Erreichbarkeit und persönlichen Stress geht.

Digital Detox, der temporäre und vor allem bewusste Verzicht auf elektronische Geräte, soll  Digitalbürger_innen entstressen und in die analoge Heimat zurückführen. In beispielsweise einer Stunde am Tag soll man sich so rückbesinnen auf die physisch greifbare Welt, mal an einem Blümchen schnuppern oder den Vögeln beim Zirpen lauschen.

Wem der mehrminütige Verzicht auf digitale Spielereien allerdings zu schwer fällt oder wer einfach nicht disconnected und unkommentiert in einer leeren Welt vor sich hin vegetieren will, der darf sich ganz besonders über einen anderen Trend freuen: die Tamagotchi-Pflanze für den Desktop!

Mit Spielen wie Viridi können User_innen die eigenen Pflänzchen jetzt ganz gemütlich zwischen E-Mail-Postfach und Browserklicken kurz wässern und verschnaufen. Das klingt doch wunderbar und praktisch! Es kostet kein Geld, man muss sich für seine stressfreie Auszeit nicht aus dem Bürostuhl pellen und der entspannende Soundtrack dudelt auch nach der Pflanzenpflege gemütlich vor sich hin, sodass die während des Gießens angefallene Arbeit viel leichter von der Hand geht. Wem die Sukkulenten allein allerdings zu langweilig sind, dem sei gesagt, dass es auch eine Schnecke gibt, die den digitalen Topf optional bewohnt.

Für mich als leidenschaftliche Balkonfee geht insbesondere in den warmen Monaten nichts über echte Pflanzen, die real wachsen, duften und hübsch sind. Allen Menschen ohne grüne Daumen aber mit Herz für Grünzeug will ich die lustige Tamagotchi-Pflanze allerdings empfehlen. Selbst wenn es nur als Übungslager für eine echte Pflanze dient, so wie meine Eltern mir einst ein Tamagotchi geschenkt haben, damit ich für den ersten eigenen Hund üben kann. So bleibt euch in der Übungsphase und vielleicht auch mit der ersten echten Pflanze der ein oder andere Weg der Schande zur Biotonne erspart.