Kofferkrise oder Programmierer gesucht

Bald geht es los: Für vier lange Monate werde ich in Finnland wohnen, mein Finnisch aufmotzen, finnisches Essen essen und die Landeskultur in mich aufsaugen wie ein vertrockneter Schwamm.

Vier Monate, das ist eine lange Zeit, in der man viele dicke Socken für den kalten Winter braucht. Da es weniger als drei Wochen bis zu meinem Flug sind, stand also der lange herausgezögerte Kofferkauf auf dem Plan.
Außerdem muss ich eigentlich eine Hausarbeit schreiben. Exzessives Koffershoppen hat sich als nicht zu verachtende Prokrastinationstechnik erwiesen.

Wie das fast nicht anders zu erwarten war, hat sich selbstverständlich in dieser unermesslich schwierigen Aufgabe, nichts Geringeres als den allerperfektesten Koffer der Welt zu finden, all mein Reisevorbereitungsstress gebündelt.

Nächtliche Alpträume von aufgeplatzen Weichschalenkoffern, die meine Schlüppis auf dem Gepäckband verteilen, Rezensionsdurchforsten zur Ermittlung des perfekten Weichegrades einer Kofferrolle sowie langfristiges Planen (zu erwartende Verstaubarkeit des Koffers nach Einsatz) haben mich mehrere Tage geplagt.

Mittlerweile bin ich sowas wie ein Profi für Gepäck. Ich kenne Maße, Schalenhärtegrade, Leeergewichte, Befülltgewichte, Gestängequalitäten, Schlossarten, Imprägnierungsdüfte, Verstaubarkeiten, Farbintensitäten, Stoffstabilitäten, Teilfächer, Rollbarkeiten, Teleskopgriffeinfahrbarkeiten und Garantieabwicklungshandhaben.

Meine Hausarbeit muss ich nicht mehr schreiben, zur Hölle mit dem Komparatistik-Master. Ich hab jetzt einen Master in Suitcaseology und arbeite nach meinem Auslandssemester im Kofferverkauf, um anderen Menschen mein Leid der letzten Tage zu ersparen.
Vielleicht entwerfe ich eine Website, die den Kofferverzweifelten in zehn Schritten zum perfekten Gepäckstück bringt und gleich etwaige Zusatzzahlungen je nach Airline angibt. Das Ganze gibt es selbstverständlich auch als App, so kann man im Laden Strichcodes potenzieller Koffer scannen und die App zeigt sogleich an, wie gut der Koffer zu den eigenen Bedürfnissen passt, am besten farbcodiert.

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Ein Gedanke zu „Kofferkrise oder Programmierer gesucht“

  1. Statement war nur als Kompliment für den schön geehbriecensn Artikel gedacht. Generell hat er natürlich schon dazu angeregt sich die Gegend mal selbst anzuschauen obwohl ich schon einige Male in Polen war.

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