Waschbärenbekenntnisse 4

Meine Hand zittert. Der Kegel der Taschenlampe huscht hin und her an den Wänden des dunklen Bürogebäudes, das verlassen und nach Glasreiniger duftend in der Ruhe des Wochenendes herumsteht.

Endlich angekommen, stehe ich vor der Tür meines Vorgesetzten.
Schuminski, der Idiot! Gefeuert hat er mich. Einfach so! Unerhört, aber nun ja.

„Es werden sich ganz wunderbare Alternativen für Sie auftun, da bin ich mir sicher!“       Ich hab dir nichtmal zugehört, du Affe, ich hab mich nur über deine Unordnung auf deinem verfluchten Schreibtisch aufgeregt! Wie kann ein homo erectus so verkommen?

Pah! Schuminski, du Arsch mit Ohren! Dein dämliches Grinsen, das deine rissigen Lippen um deine kreuz und quer herumstehenden Zähne formen! Sogar in deinem Mund herrscht eine unerträgliche Unordnung!

Gekündigt. Wegen massiver Verspätungen oder so, jaja. Als würde es mir Spaß machen, meine Bude ständig nicht verlassen zu können! Nochmal den Herd prüfen. Nochmal prüfen, ob die Fenster geschlossen sind. Tür abschließen, auf halber Treppe umdrehen, Sicherungen aus dem Kasten schrauben! Das frisst Zeit! Und gerne mach ich das auch nicht! Hin und her zu hasten als wäre ich irre, ins Büro zu hetzen und mir zur Begrüßung ’ne Verwarnung abzuholen.

Ich hätte eh schon längst kündigen sollen, von Zuhause arbeitet es sich besser! Da würde ich auch nicht neunundneunzig gottverdammte Prozent meiner Energie darauf verwenden, darüber nachzudenken, wie es weitergeht, falls ich nach Hause komme und die blöde Bude abgefackelt ist! Weil ich halt doch irgendwas vergessen hab!
Schuminski, einen Gefallen hast du mir getan, du grotesker Gnom!

Meine Hand zittert, noch immer! Trotzdem muss das jetzt sein! Zu verlieren hab ich ja nichts mehr! Außer meinem Zuhause! Wie lange stehe ich hier eigentlich schon?
Egal, rein da jetzt! Ab mit der Kreditkarte in den Schlitz, zack! Schon auf das dünne Türchen! Dieses alberne dünne Türchen, kaum dicker als Pappe.

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Ab an deinen Tisch. Du Tier. Du Tier! Schau dir dieses Chaos an! Dass du dich nicht schämst!

Und schon ist es vollbracht! In Reih und Glied ist dein Chaos beseitigt. Parallelen und rechte Winkel liegen auf deinem Tisch, fein säuberlich und akurat. So einfach geht das, du Vieh! Ich würde so gern dein Gesicht sehen, wenn du Montag zur Arbeit kommst und endlich siehst, wie Zivilisation und Ordnung aussehen!
Aber leider werde ich dein blödes Gesicht nicht sehen. Denn ich arbeite hier nicht mehr. Und selbst wenn, wäre ich sicherlich zu spät dran!

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