Aus dem Leben einer Social Media-Fee

Meine Social Media-Feen-Weisheit: Stelle niemals in einem Post eine Frage! Niemals! Kommentare erscheinen schließlich stets ungebeten und unüberlegt.

Zuweilen arbeite ich für Firmen als Social Media-Fee. Das klingt nach Spaß, Frohlocken und Konfettipolonäse. Vor allem, weil ich an meine Berufsbezeichnungen gerne selbst ein „-Fee“ anhänge. Das suggeriert einträchtige Harmonie im Arbeitsumfeld und wirkt irgendwie so, als würde mir alles total locker von der Hand gehen. Tut es ja schließlich auch. Immer.

Social Media Management scheint etwas zu sein, was gerade alle beruflich machen wollen. Jobsuchen-Newsletter werden geteilt wie sonst nur Katzenfotos und auch die Weiterbildungseinrichtungen für Social Media-Consultants, -Manager, -Redakteure, -Irgendwasse sprießen aus dem digitalen Boden wie Schimmel – Social Media Management, der Heilige Gral, das endlich real gewordene „Irgendwas mit Medien“.

Ein Job, der mit dem Versprechen winkt, den ganzen Tag durch den digitalen Dschungel schlendern zu können, wie man das ja vom Prokrastinieren und Rumeumeln eh schon kennt. Vielleicht darf man ja sogar in Jogginghose ins Büro kommen, ungewaschen und mit Restsalsa vom vorabendlichen Nachoinferno im zerzausten Haar. Vielleicht ist das dann so ein total hippes Büro wie bei Google. Mit Rutsche, Barista und Snoozelraum. Kleiner Spoiler: nee.

Zumeist is es jedoch in der Tat ein Job, der ziemlich viel Spaß machen kann. Man darf sich austoben und kunterbunt Worte aneinander reihen, hat die Buntstifte ganz für sich allein und kann auch ruhig mal mit Knete werfen und all diese mehr oder weniger kunstvollen Auswüchse werden sogar zur Kenntnis genommen. Ein jeder Klassenclown findet endlich die wohlverdiente Bühne. Hauptsache, er serviert dem Mob mundgerechte Häppchen und wirft ihm regelmäßig Popcorn ins Gesicht.

Man kann wirklich alles. Also fast. Alles, was im Sinne des Unternehmens ist. Meistens ist es im Sinne des Unternehmens, zu dieser und jener Debatte sicherheitshalber eher keine Meinung zu haben.
Der Kunde ist schließlich König. Und Kunde soll ja jeder sein. Auch der homophobe Faschist, der seine Kinder regelmäßig versohlt, darf daher nicht verprellt werden.
Aus dem eigentlichen Geschehen im Web hält man sich also eher geduckt raus. Aus Angst, mal nach der Meinung gefragt zu werden.

Den wütenden Mob, der sich ja permanent über etwas echauffiert, zu besänftigen, ist allerdings auch ein super Job. Das funktioniert ganz besonders gut mit .gifs und Tiercontent jeder Art, insbesondere Katzen und Faultiere bringen selbst den wütesten Wutbürger kurz zum Schmunzeln und dienen als aufmunternde Streicheleinheit in der hässlichen Welt unqualifizierter Meinungsbekundung, Bewertung und Herabsetzung.

Über Tiere darf man gerne regelmäßig und ausgelassen lachen, die werden bestimmt niemals Kunden sein. Oder etwa doch? Frau T., bitte keine lächerlichen Tierinhalte mehr. Pflanzen und Steine gehen noch! Noch..

Es ist ein wunderbarer Job, in dem man ganz herrlich frei ist, all das zu tun, was das kreative Potenzial hergibt. Solange es gehaltlose Zuckerwatte ist. Denn hier isst eigentlich nur das Auge und freut sich über jeden Blödsinn, der keinen Anspruch darauf erhebt, bis ins Hirn durchdringen zu wollen.

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