Hannibals Herz

Als Hannibal die Wohnung betritt, liegt ein mundwässernder Duft nach Rotwein, Zwiebeln und Wildbraten in der schweren, warmen Luft.
Was er wenige Momente später im Esszimmer entdeckt, verschlägt ihm jedoch den Atem. In der Mitte des kerzenbeschienenen Esstisches, zwischen kunstvoll drapierten Bratenscheiben, einer Schale mit Petersilienkartoffeln und Rotweinschalotten, glänzt ein metallener Teller, auf dem ein rohes menschliches Herz liegt. Weiterlesen „Hannibals Herz“

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Die Kosmonauten kommen!

Ich kann es noch gar nicht so richtig fassen, aber mein Debütroman „Wir waren die Kosmonauten“ kommt tatsächlich Anfang Dezember in den Handel.
Hinter mir liegt ein Dreivierteljahr des Schreibens, Löschens, Starrens, Verzweifelns und vor allem auch der Freude, des Protagonisten-Liebhabens. Es gab eine Perfektionistin in mir, die ich zuvor für viel nachgiebiger gehalten hatte und es gab Freudentränen, als ich die Druckfahne im digitalen Postfach hatte. Weiterlesen „Die Kosmonauten kommen!“

Von einem, der auszog das Fliegen zu verlernen.

Ein ganz und gar wahres Märchen. Erschienen in der Anthologie Poetische Ornithologie. Vom Flugwesen in der Literatur.

„The kakapo is a bird out of time. If you look one in its large, round, greeny-brown face, it has a look of serenely innocent incomprehension that makes you want to hug it and tell it that everything will be alright, though you know that it probably will not be.“ (Adams 2009: 109)

So beschreibt der britische Science-Fiction-Autor Douglas Adams den Kakapo in seinem Bericht über seine Reise zu aussterbenden Tierarten im Jahre 1985. Weiterlesen „Von einem, der auszog das Fliegen zu verlernen.“

Nur ein Stapel Papier

Eins. Zoppot, 10. Mai 1920
Dietrich Harmann verlässt den Waggon, nimmt die schweren Lederkoffer und hebt schließlich Margot aus dem Zug. Die Augen der vorfreudigen Tochter leuchten feurig. Zum ersten Mal riecht sie den verheißungsvoll salzigen Duft der Meeresbrise. Über ihr schreien aufgeregte Möwen. Weiterlesen „Nur ein Stapel Papier“

Das Märchen von Kasimir dem Pantomimen

Neulich flatterte ein Erinnerungsschreiben des Finanzamts in meinen Kasten. Ich solle doch bitte noch meine Steuererklärung nachreichen, so die Aufforderung. Anstatt die Erklärung zu machen, schrieb ich diesen Text.

Zufrieden besah Kasimir sein weiß getünchtes Gesicht, die schwarzen Augenbrauen und die blutroten Lippen.
Er legte die schwarzen Hosenträger über seine schmalen Schultern, rundete das Bild mit einer schief auf den Kopf gesetzten Baskenmütze ab und verließ fröhlich pfeifend die Wohnung. Weiterlesen „Das Märchen von Kasimir dem Pantomimen“

Der Freundschaftsdienst

Dieser Text ist im Rahmen meines Projekts post.skrip.tum entstanden. Für diese Textserie wühle ich mich durch alte Postkarten auf Flohmärkten, wähle mir anhand rein subjektiver Kriterien eine Karte aus und bette sie in eine frei erfundene Geschichte ein. post.skrip.tum – dahinter geschrieben, so die wörtliche Übersetzung. Dahinter im zeitlichen Sinne. Weiterlesen „Der Freundschaftsdienst“